Und der zweite Wahlsonntag 2009 geschafft - und allmählich stellt sich für die Bundestagswahl ein kleines bisschen Optimismus ein:
Bei den Kommunalwahlen in NRW konnten die Sozialdemokraten das eine oder andere Rathaus (zurück)erobern - in Bonn zwar nicht, aber dort hat's zumindest für einen sozialdemokratischen OB gereicht. Ob das im Sinne der Effizienz ist, sei mal dahingestellt. In Köln hat's mit etwas über 5% der Stimmen immerhin für das rechtsextreme Bürgerhäufchen Pro Köln für fünf Sitze im Rat gereicht und in Viersen ist die absolute Mehrheit der CDU erstmals dahin - Wermutstropfen: Die NPD sitzt mit einem Idioten im Stadtrat. Man kann eben nicht alles haben.
In NRW scheint der freie Fall der SPD also zumindest gestoppt, zumal die Grünen fast überall gestärkt aus der Wahl hervorgehen. Das ist nicht genug, aber es ist ein Anfang.
Landtagswahlen waren aber auch. Im Saarland hat König Oskar sich ordentlich selbst abfeiern können: mit 21% ist seine LINKE drittstärkste Kraft geworden und könnte in einer Koalition mit SPD und Grünen regieren. Ob das aber mit der politischen Stimmung im Land zu tun hat, wage ich zu bezweifeln: Lafontaine war dort immer populär, und das hat sich auch nach seiner Flucht vor der Verantwortung im Jahr 1999 nicht geändert.
In Thüringen hat sich der "Je regrette rien"-Wahlkampf von Ministerpräsident Althaus am Ende nicht ausgezahlt. Beruhigend! Wer allen anderen politischen Akteuren das Versprechen abringt, im Wahlkampf nicht über den... ääh... Skiunfall zu sprechen, dann aber skrupellos selbst versucht, daraus politisches Kapital zu schlagen, hat kein anderes Ergebnis verdient. Ob da am Ende eine große Koalition bei rauskommt, ist aber fraglich - auch die will nämlich keiner. Aber für Schwarz-Gelb reicht es nicht. Vielleicht auch hier am Ende Rot-rot-grün?
Schließlich Sachsen. Dort liegt die SPD mit 10,4% gerade nochmal einen halben Punkt vor der FDP. Sachsen war schon immer CDU-Land. Hier wird sich am Ende vermutlich das wenigste ändern. Schwarzgelb bleibt schwarzgelb bleibt schwarzgelb.
Fazit: Erstens. Der Bundestagswahlkampf geht jetzt in seine letzte Phase und das Rennen ist wieder ein wenig mehr offen. Vor allem das Thema rot-rot-grüner Koalitionen drängt zunehmend auf die Tagesordnung. Die SPD wird auf Dauer nur zwei Möglichkeiten haben: Entweder sie lässt sich von der LINKEN immer und weiter siegesnotwendige Stimmen klauen und verschwindet in der politischen Bedeutungslosigkeit oder sie nimmt ihren Mut zusammen und strebt eine Zusammenarbeit mit den anderen beiden linken Parteien an.
Und zweitens: der Kandidat. Oh je, der Kandidat. Ich persönlich finde Herrn Steinmeier kompetent und sympathisch, aber ein Wahlkämpfer wie Münte oder Gas-Gerd ist er nicht und wird es auch nicht mehr werden. Aber Angie ist ja auch keine Charismatikerin, von daher heißt es da: den Tag nicht vor dem Abend loben. Ich wünschte, sie hätten den Mut gehabt, unseren Bundesumweltminister zum Kandidaten auszurufen; allmählich teile ich nämlich die Einschätzung meiner Kommilitonen (darunter auch FDP-Mitglieder) aus Duisburg: Der wird mal Regierungschef!