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bad person

life on relaunch

9/27/18 10:59 pm - Gegen den Wind.

Das Gefühl ist seltsam und doch allgegenwärtig: mir geht es immer besser, das Gemeinwesen geht derweil vor die Hunde.

Und alles vor dem Hintergrund: wie stehe ich dazu? Ich habe Politik studiert, aus Hassliebe zu meinem Land, aus einer Mischung von '68er-Erbe, Skeptizismus, Distanz - und Anerkennung.

Am Ende mag ich mein Land, aber ich mag es ihm nicht so einfach machen. Ich mag preußische Sekundärtugenden, den bescheidenen Geist der Bonner Republik. Ich mag Sozialpartnerschaft, das deutsche Konsensmodell, Mitbestimmung und das Grungesetz.

Versuche, all das zu unterminieren, kleinzureden, es zu zersetzen, zu zerreden, dessen Wertgrundlagen zu desavouieren oder den Diskurs, auf dem all das aufbaut, machen mich traurig, frustriert, wütend.

Die Grundlagen von alledem, in dessen Sinne ich großgeworden bin, werden gerade verraten. Ohne Not. Aus reinem Zynismus und weil dumme Menschen die Welt brennen sehen wollen.

Sie werden nicht gewinnen. Es ist nur eine Phase. Wir marschieren gegen den Wind, aber wir marschieren...

8/20/18 12:21 am - Final relaunch.

Das war's.

Übernächste Woche ist es also so weit: ich komme im erwachsenen Leben an. Mit einer läppischen Verspätung von ca. 15 Jahren. Man muss sich das vorstellen: dann wird ein Dokument unterschrieben, und alle Sorgen um die Zukunft werden mit einem Mal Vergangenheit sein. Obwohl es seit Ende Februar versuche, habe ich den Gedanken noch immer nicht ganz in meinen Kopf gekriegt.

Damit geht eine Phase von zehn, eigentlich eher 13 Jahren zuende. Zehn seit dem letzten Studienabschluss, seit ich ernsthaft nach einer sinnvollen Beschäftigung gesucht habe, 13 seit ich gerafft habe, dass Rumgammeln auf die Dauer keine Perspektive ist.

In zehn Tagen wird nie mehr die Frage sein, was möglich ist, sondern - innerhalb erträglicher Grenzen - was ich will. Und auch wenn ich weiß, dass sofort danach ein ganz neues Feld an Erwartungen von mir selbst und meiner Umwelt das Vakuum füllen wird, fühlt es sich doch an wie eine andere Qualität.

Zur Wahrheit gehört auch: Schon wieder sind drei Jahre vorbei. Drei Jahre die die Dynamik zu meiner Umwelt verändert haben, mein Verhältnis zu mir selber genauso. Wenn seit Julias Ausbildungsbeginn das Land geschrumpft ist, dann seit 2015 die Zeit. Bezugspunkte zur Geschichte haben sich relativiert, die Position zu (vermeintlichen) Fixpunkten sich verändert.

Und das Verhältnis zu Menschen ist ein Anderes geworden. Der Kontakt zu alten Freunden wird erst wieder aufgenommen werden müssen. Der zur Familie wird sich völlig neu gestalten müssen - oder: können! Ich habe Familie in der Nachbarschaft. Das schafft Erwartungen, Chancen, Herausforderungen.

All das verändert den Blick auf die Heimat und hat ihn verändert. Drei Jahre im protestantischen Unistädtchen Marburg haben Lust gemacht auf das Rheinland, auf den Ruhrpott, wo akademische Bildung weniger das Stadtbild prägt und Lebensfreude wichtiger ist als ethisch-moralisch wichtiges Handeln. Vokuhila statt man bun.

Neue Ängste und Sorgen werden sich ergeben. Recht bald wird sich klären, ob der Sprung ins erwachsene Leben auch nach fünf Jahren örtlicher Trennung gelingen kann. Nichts würde ich mir mehr wünschen als die Vertrauthalt von früher irgendwann wieder zu haben. Ich weiß, dass wir beide immer noch davon zehren, ahne aber auch, dass in den Jahren viel liegengeblieben ist, so dass es bei vielen Dingen Vorbehalte, stillen Dissens und nagende Zweifel gibt. Zumindest von meiner Seite weiß ich das. Und auch, dass ich gut alleine lebe.

Rückblickend kann man aber sagen: Dinge wurden gelernt. Über Aktenkunde, die deutsche Geschichte, die hessische Geschichte, über Regionalismus, Menschen, die Möglichkeit und Unmöglichkeit generationenübergreifender Freundschaften.

Eine Epoche geht zuende, eine Neue kommt. Ich bin bereit dafür.

6/22/17 12:57 am - King Kohl.

Hm tja, weiß auch nicht.

Irgendwie eröffnen die Reaktionen auf den Tod von Helmut Kohl einen tiefen Blick in die Seele des Landes:

Auf der einen Seite die ewigen Groupies, die jetzt alle Karl Marx-Straßen und -Plätze im Rhein-Main-Gebiet in Helmut Kohl-Straßen und -Plätze umbenennen wollen. Die gab es schon immer. Früher hießen sie Kristina Schröder bzw. Köhler und hatten einen Kohl-Starschnitt im Zimmer. So Leute hören auch Schlager, fahren nach Bad Münstereifel in Urlaub und machen sonst allen möglichen Quatsch, den ich nicht verstehe. Gab es immer und wird es immer geben. Parallelwelt.

Dann gibt es die, die sich outen als Spätkonvertiten. "Ich hab ihn nie gewählt, aber jetzt bin ich sooo dankbar für die Wende/die EU-Politik, Helmut Kohl war ein großer Deutscher/Europäer. Wir haben ihn immer unterschätzt" (Zutreffendes bitte ankreuzen). EU: Mag sein, obwohl ich nicht weiß, ob jemand allein deshalb in seiner Zeit unterschätzt war, weil hinterher idiotische Entscheidungen getroffen wurden. Dass die EU lange vor allem ein Wirtschaftsprojekt war, IST ein Problem und das geht auch auf Kohl zurück. Wende: Hmhm. Die einen sagen so, die anderen sagen so. Jedenfalls war er zur richtigen Zeit da, um die Ernte einzufahren, am Rest scheiden sich die Geister. Ansonsten: Spendenaffäre, ein kolossal an die Wand gefahrenes Privatleben mit Wirkung bis posthum ("Walter Kohl hat offenbar Hausverbot im Elternhaus"). Gefickt eingeschädelt. Charakterliches Vorbild? Kaum.

Am interessantesten ist aber, dass es eine Gruppe von Menschen gibt - mich eingeschlossen - die reflexartig wieder in die Rhetorik und Haltung der 80er und 90er Jahre reinschnappen und die, weil sie sich an das Gefühl von Politik in der Zeit noch sehr gut erinnern, ziemlich mitleidlos und bitter über die Geschichte denken - und schreiben. Die Rhetorik ist dann die selbe wie früher: Rechtsbeugung, "der Pate von Oggersheim", Probleme aussitzen, Reformstau etc.etc.

Die Jüngeren und die beschriebenen Konvertierten brandmarken das als Hate Speech, die Gemeinten keilen zurück, das könne man nur sagen, wenn man die Zeit nicht erlebt hat.

Stimmt vielleicht beides? Waren die 80er Jahre vielleicht eine Zeit, in der eine politische Rhetorik sich Bahn gebrochen hat, die damals nur noch nicht von den entsprechenden Protestformen begleitet war, die uns heute vor Scham erröten lassen ("Steig in deine hässliche Karre, du Fotze!", "Danke, Merkel...!" usw.)? Kann es sein, dass die sprachliche Verrohung, die wir heute so unangenehm finden, schon älter ist als Pegida? 

6/17/17 01:00 am - Der Reiz des Unbestimmbaren.

inspiriert durch die 2. Staffel "Master of None" (2017) auf Netflix.

Eine Art menschlicher Beziehung, die hier noch keinen Platz gefunden hat, ist die Affäre, die keine ist: eine Freundschaft, bei der die Chemie eigentlich für mehr reicht, die aber nie zu mehr wird, weil eine Partei (oder beide!) fest liiert ist - sei es glücklich oder unglücklich.

Und doch ist da diese(r) gute Freund(in), der/die schon so lange da ist. Zu dem man eine tiefe Beziehung hat, die definitiv etwas anderes als die friendzone ist, wovon auch der/die Partner(in) weiß.

So eine Konstellation ist Segen und Fluch; sie bietet die Möglichkeit, verstanden zu werden auf eine Art, in der das Freunde manchmal nicht können und die man dem/der Partner(in) nicht zumuten mag. Gleichzeitig ist da immer das Bestreben, mehr draus zu machen. Wissend, dass genau das die Dynamik kaputt machen kann. Wissend, dass ein solcher Schritt das Potenzial hat, die komplette Welt in Flammen zu stecken.

In solchen Beziehungen steckt ein ganz eigener Reiz, eine ganz eigene, eigentlich unschuldige Schönheit. Aber auch eine Tragik der Zwangsläufigkeit, eine Vergänglichkeit, die bedrückend ist, weil sie immer mit gedacht werden muss.

Am Ende steht die Erkenntnis, dass jeder über sich selber nachdenken sollte, die dies tiefe Verständnis vom Partner nicht bekommt. Es gibt viele Arten, miteinander glücklich zu werden. Aber wer sein Leben teilen will, der sollte das mit jemandem tun, von dem er sich so verstanden fühlt wie von niemandem sonst.

Diese Gedanken sollen die Affäre, die keine ist, nicht kleinreden. Sie kann wunderschön sein und muss auch nicht in der Katastrophe enden. Aber ein guter Anlass, über sich selbst und die nähere Umgebung nachzudenken, ist sie sicher immer.

6/12/17 12:15 am - Die verdammte Subjektivität der Welt.

Einerseits: Wie die Umwelt sich für einen darstellt, hängt stark davon ab, wer man ist und wie man ihr begegnet. Die Erfahrungen, die ich mache, sind jeweils völlig unterschiedlich und abhängig von zig Variablen, die mich als Mensch und Persönlichkeit ausmachen. Objektive Weltwahrnehmung scheint nicht möglich zu sein.

Andererseits: Auch Menschen, die sich in wichtigen Merkmalen stark von mir unterscheiden, erzählen von Erlebnissen und menschlichen Standardsituationen und wie sie damit umgehen auf eine Art, die ich nicht nur nachempfinden kann, sondern die ich zum Teil so oder parallel auch bereits erlebt habe. Ein gewisses Repertoire an Konstellationen menschlichen Zusammenlebens, die immer wiederkehren und einigermaßen objektiv "so" sind, scheint es doch zu geben.

Einerseits: Objektive Fakten und Wahrheiten sind problematisch.

Andererseits: Der Mangel an objektiven Fakten und Wahrheiten, oder: das mangelnde Vertrauen darin, dass es diese gibt, reißt aktuell die Welt in den Abgrund.

Der klügste Schluss daraus wäre: Wir hören auf, uns unreflektierte Standpunkte um die Ohren zu hauen und gleichen mal die Fakten ab, von denen ausgehend wir uns diese gebildet haben. Das ist mühsam, aber notwendig, wenn nicht jede Dabette mit "in welcher Welt lebst Du eigentlich?" enden soll. Diese Frage muss aufhören, Endpunkt der Diskussion zu sein. Sie muss der Anfang sein.

Im selben Zusammenhang: Es gibt einen Haufen vermeintlicher Selbstverständlichkeiten in Bezug auf Politik und Gesellschaft, die zur Disposition stehen. Nicht für mich, aber für viele "keine Nazis aber". Dinge, die zwar dem völlig einleuchten, der sich mit der Materie beschäftigt, die aber nicht allgemein vorausgesetzt und immer wieder neu vermittelt worden sind.

Die Frage, warum ich für Opas Wehrmachtsverbrechen mitverantwortlich bin, ist die offensichtlichste dieser Fragen, aber in den letzten 10 Jahren sind etliche dazugekommen.

Kinder stellen Fragen. Auch dumme. Aktuell stellen Deppen fragen. Ebenfalls: auch dumme. Und auch in einem unfreundlichen Ton, der provokant ist.

Die etablierten Medien, die etablierte Politik ist aber nicht in der Lage, diese adäquat zu beantworten. Entweder weil die Notwendigkeit nicht gesehen wird, das zu tun oder aus Trägheit oder weil es sich eben um - subjektiv betrachtet - Selbstverständlichkeiten handelt.

Meine Befürchtung ist, dass hier auch kommunikativ Menschen abgehängt werden. Oder bereits wurden. Inzwischen sind die Fragen zu Forderungen und zu Wutreden geworden. Es ist Verbitterung zu spüren und eine lakonische Verachtung von Institutionen.

Eine Lösung für das Problem kann ich nicht anbieten. Aber mehr fragen und weniger schimpfen wäre ein Anfang. Argumente in die Form einer Frage zu klären wäre ein Anfang. Sich für die Unterschiede im Alltag der Menschen zu interessieren hilft.

Unverbesserliche, Irrsinnige, Verschwörungstheoretiker und der "Narrensaum" werden dann immer bleiben. Und qua filter bubble wahrscheinlich auch mehr als vor zwanzig Jahren. Aber die Orientierungslosen, Abgehängten, die, die Hilfe brauchen und eigentlich das Richtige wollen und nur auf die Falschen reinfallen könnte man so möglicherweise wieder ins Boot holen.

Möglicherweise.

4/17/17 12:22 am - Richtig und falsch.

Wer legt eigentlich fest, was richtig und was falsch ist und wie geht das im menschlichen Zusammenleben vonstatten?

Genauer: Was tue ich, wenn Menschen, die ich kenne, nach meinen Maßstäben falsch handeln?

Würde es um Bankraub gehen, wäre die Sache klar - wer da Geschädigter ist ist meist genauso klar wie die Regelverletzng. Aber was ist bei moralisch falschem Handeln? Was, wenn jemand, den ich kenne, falsch handelt und einen Dritten schädigt? Und - noch schwieriger - was, wenn dieser Dritte beteuert, damit kein Problem zu haben?

Abstrakter: Ist Moral


  1. Verhandlungssache? Eine lose gesellschaftliche Konvention, die nur da ist um überhaupt miteinander interagieren zu können und die man dann quasi privatvertraglich komplett ausgestalten kann? Oder

  2. gibt es etwas Überindividuelles daran, das die Gesellschaft tatsächlich zusammenhält und das ich mir zum Maßstab machen kann dafür, wie ich mein Verhältnis zu den Menschen gestalte?

Menschen brauchen Regeln - das ist sicher. Menschen regeln und klären ihre näheren Beziehungen aber sehr unterschiedlich. Das ist genauso sicher und auch gut so.

Aber: Wie gehe ich damit um, wenn Menschen um mich herum miteinander in einer Weise umgehen, die ich, aber keiner der Beteiligten, problematisch finde? Was, wenn eine Partei aus meiner Perspektive übervorteilt wird, ohne das so zu empfinden?

Gibt es moralisches Handeln oder ist das immer Verhandlungssache?

7/5/16 11:21 pm - The paradigm shift.

2012. Sommer. Ich sitze mit meinem besten Freund im Biergarten und erzähle, weil ich ihn lange nicht gesehen habe. Erzähle von den letzten Monaten, von der neuen Liebe, der unglaublichen Vertrautheit, die ich so noch nie gefühlt habe. Irgendwann sagt er "Jaja, wunderschön ist das. Du darfst nur nicht in ein großes Loch fallen, wenn sich mal jemand anfängt ein wenig zu entfernen und das nicht du bist."

Lange hatte ich diesen Satz im Ohr und lange dachte ich, er wäre Quatsch.

Dann kamen berufsbedingte Wochenpendelei und Arbeitslosigkeit, Selbstzweifel und eine Weile des Neujustierens.

Und jetzt? Jetzt sind wir vertraut und doch fremd. In unseren Einstellungen hat sich nicht sehr viel geändert. Nur Nuancen. Aber jede davon tut schrecklich weh, weil der totale Gleichklang eben nicht mehr da ist.

Was tun?

Es akzeptieren scheint kein gangbarer Weg, wenn zumindest das klar ist: ein langsames Ausdümpeln will keiner.

Einen klaren Schnitt machen wäre Selbstmord aus Angst vor dem Feind, denn es gibt keine Veränderung im Charakter oder im Wesen, die das rechtfertigen würde.

Mit Macht zum status quo zurück wäre der Weg. Aber dazu müssten beiderseitig alle Vorbehalte ausgeräumt sein; und das ist zeitaufwendige Arbeit.

Müsste man doch einfach nur zurückschalten auf die Unkompliziertheit, die alledem anfangs innewohnte.

Aber... warum eigentlich nicht...? 

6/10/16 12:21 am - Life on autopilot.

Und alle paar Monate ein Wechsel der Situation: 01.10.13, 01.01.14, 01.10.14, 26.05.15, 01.09.15, 01.04.16, ständig wechselt die Perspektive: Julia weg, Job weg, Julia geht nach Marburg, ich ziehe nach Marburg, meine Ausbildung fängt an, sie geht zurück nach Dresden - und als nächstes der 01.10.16.

Wenn das Leben danach nicht wieder ein wenig zur Ruhe kommt, weiß ich nicht was passiert. Sicher: vor diesem ganzen Theater war die Ruhe und das Glück auf Pump. Sicher: dazwischen liegen anderthalb Jahre, denen gegenüber die Situation jetzt sich wie das totale Luxusproblem ausnimmt.

Dennoch: Mit jedem Abschnitt ist der Abstand zur alten Vertrautheit gewachsen, hat sich das Ausmaß des Vermissens verringert, ist der Fokus wieder mehr zum eigenen Leben, zum eigenen Alltag gewandert.

Und mit jedem Schritt wird die Unsicherheit größer, ob es ein Zurück zu dem geben kann, was zumindest ich mir so sehr wünsche. Nach den Erfahrungen aus der Vergangenheit sage ich: wenn ich nicht daran glauben würde, säße ich jetzt nicht hier und würde diese Zeilen schreiben.

Aber wir wetten beide darauf, dass sich zwei Menschen - mehr oder weniger - unabhängig voneinander über ein paar Jahre in eine parallele Richtung entwickeln. Das mag gewagt sein. Aber was vorher an Vertrautheit und Nähe aufgebaut war, macht Hoffnung, dass wir am Ende dafür belohnt werden.

The road is long. But we've got solid shoes!

6/4/16 12:18 am - Dead at 25.

Zugegeben: was ich für normal halte, ist wahrscheinlich nicht normal für Leute Mitte 30 in meinem Milieu. In diesem Alter hat man normalerweise schon ein paar Jahre Berufserfahrung (selbst nach einem Studium), man hatte Zeit, eine nette Frau kennenzulernen und ein paar Wurzeln zu schlagen - was ich inzwischen wirklich gern täte.

In einer solchen Lebenssituation mag es normal sein, dass sich das Bedürfnis, gelegentlich auszugehen, sagen wir auf 5-7 Bier oder zu Konzerten, ein wenig legt. Oder zumindest, dass es überlagert wird durch die Notwendigkeiten des Alltags, die ja auch durchaus erfüllend sein mögen.

Nun habe ich diese Verpflichtungen leider/zum Glück nicht, auch wenn ich bereits 37 Jahre alt bin. Meine Kollegen sind 25/26 und sind eben so wenig familiär gebunden. Faszinierender- bzw. Erschreckenderweise verhalten sie sich aber so. Ausgehen? Ein paar Bier trinken? Ist was für Proleten. Quatsch machen? Peniswitze? Wie unreif.

Wie ich diese Position zu hassen begonnen habe. Und leider ist das bei den aktuellen Jahrgängen hier Legion zu sein. Der eine Anwärter von 2015 hat mit zwei Kolleginnen zu kämpfen, von denen die eine ein Bessermensch in jeder Hinsicht ist und der andere die eigene Unsicherheit als persönliche Reife zu verkaufen versucht.

Das tun auch meine Kolleginnen - glücklicherweise zumindest nicht mein Kollege.

Man könnte - und ich sollte - das beiseite legen. Und auch wenn ich weiß, dass es zwecklos ist, ärgert es mich. eben WEIL ich den Mechanismus so gut kenne. Andere haben Spaß, bei einem selbst steckt der Stock zu tief im Arsch, also macht man das madig und sagt "pah, so unreif".

Dass man damit eine unfaire Position über sympathische, offene, lustige Leute einnimmt, ist das eine. Das andere, Schlimmere, ist, dass man sich damit selber blockiert. Dabei, den Stock aus dem Arsch zu nehmen. Und das ist tragisch, denn die Betreffenden haben durchaus Geschmack und Humor.

Soviel verschenktes Potenzial. Durch Snobismus.

4/3/16 01:50 am - 2016. Die Grenzen verschwinden.

Okay. Früher hatten wir ein Parteienspektrum, das sich an der Grenze Vermögensverteilung orientiert hat. Rechts saßen die Konservativen, die gar nicht oder nach oben verteilen wollten, links die Linken, die nach unten umverteilen wollten.

Dieser Konflikt ist momentan vereist, obwohl das Problem sich eher verschärft hat. Das politische Spektrum sortiert sich gerade neu, und zwar anhand der Grenzlinie Liberalismus/Autoritarismus. Dabei fällt auf, dass praktisch ALLE politischen Kräfte der Bonner Republik auf der liberalen Seite stehen, während sich große Teile des Wählerspektrums der alten Volksparteien entscheiden muss, welche Spielart der jeweiligen Politik es bevorzugt. Insofern ist die AfD also wirklich eine Volkspartei, indem sie autoritäre Strömungen von überallher aufgreift.

Für den erklärten Linken wird da die Wahl sehr schwer: die letzten Wählerwanderungen gingen so sehr zulasten der Linkspartei, dass Stimmen für diese in nahezu jedem Szenario verloren scheinen. Die Grünen sind keine linke Partei, die FDP nach wie vor nur im ökonomischen Sinne liberal und die SPD findet sich nach dem Verrat durch Schröder & Co. im freien Fall.

Eine humane Politik nach außen betreibt aktuell niemand - außer der Kanzlerin. Das macht die CDU zwar immer noch nicht wählbar, aber bei einer Abstimmung über die Politik im Bund müsste man ihr dennoch die Stimme geben, wenn man will, dass traditionelle Werte deutscher Nachkriegspolitik weiter das deutsche Handeln bestimmen. Schlimm genug!
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